Der Grundriss ist annähernd D-förmig. Eine steile Schlucht schützt die geradere Seite, ein Graben die übrigen Zugänge. Dieses Zusammenspiel von Landschaft und Mauerwerk erklärt die Festung anschaulicher als eine Schlachtenliste. Erhalten sind Teile von Torhaus, Saal und Kapelle. Eine mächtige Residenz benötigte neben Mauern auch Räume für Zeremonien, Gottesdienst und Haushaltsarbeit. Kildrummys offener Grundriss macht es leichter, diese unterschiedlichen Anforderungen gemeinsam zu betrachten.
1306 fiel die Burg an ein englisches Heer unter dem späteren Eduard II., damals Prinz von Wales. Die Verteidigung hatte Neil Bruce, der Bruder von Robert the Bruce, geleitet. Das Heer stand im Dienst Eduards I.; die beiden Königsnamen bezeichnen unterschiedliche Rollen innerhalb desselben Feldzugs. Die Einnahme sollte nicht auf 1304 datiert werden. Diese Unterscheidung verhindert, dass die Besichtigung auf einem falsch datierten Ereignis aufbaut.
Kildrummys zweite berühmte Verteidigung fand 1335 statt. Christina Bruce, Roberts Schwester, hielt die Burg gegen ein proenglisches Heer unter David of Strathbogie, Earl of Atholl. Nach der Darstellung von HES führte ihr Ehemann Sir Andrew Murray das Entsatzheer heran. Christinas Verteidigung und Murrays Eingreifen gehören zum selben Ereignis, dürfen aber nicht zu einer Geschichte verschmolzen werden, in der eine Person sämtliche Aufgaben übernimmt. Genaue Truppenstärken sollten vorsichtig behandelt werden, nicht wie die Ergebnisse einer modernen Zählung.
Die Burg blieb lange nach diesen Belagerungen politisch wichtig. Ihre Geschichte umfasste wechselnde Kontrolle durch die Familie Mar, die Krone und andere Adelsgeschlechter. HES verzeichnet eine Rückkehr an die Familie Mar 1626 und eine Verbindung zur Anfangsphase des Jakobitenaufstands von 1715. Diese spätere Geschichte ist wichtig: Die Ruinen sind nicht bloß ein Denkmal der Unabhängigkeitskriege, das danach jahrhundertelang unberührt blieb.
Auch die Aufgabe der Burg war ein Prozess. Die ausführliche Bewertung von HES berücksichtigt Hinweise auf eine abnehmende Nutzung nach dem Aufstand und lässt zugleich spätere Restnutzungen zu. Es wäre deshalb zu einfach zu behaupten, dass 1715 an einem einzigen Tag alle Räume leer wurden. Erhaltene Mauern können Umbau, Abbruch und allmählichen Verfall ebenso dokumentieren wie dramatische Zerstörung. Dass heute ein Dach fehlt, verrät für sich allein noch nicht, durch welches Ereignis es verloren ging.
Archäologische Untersuchungen haben zur Klärung der Bauentwicklung beigetragen. Michael R. Apteds veröffentlichter Bericht behandelt Ausgrabungen von 1952 bis 1962. Das belegt systematische Forschung, rechtfertigt aber nicht, einzelne Funde zu erfinden. Die Burg ist als Scheduled Monument SM90181 geschützt; der Eintrag berücksichtigt sowohl die stehenden Überreste als auch das Potenzial unterirdischer Spuren. Der Schutz umfasst damit auch das, was bei einem gewöhnlichen Rundgang nicht sichtbar ist.
Beginne mit dem gesamten Mauerring und vergleiche anschließend die Wohnflügel mit dem befestigten Zugang. Stell dir die Wege zwischen Tor, Saal und Kapelle vor, ohne alle sichtbaren Bauteile demselben Jahrhundert zuzuordnen. Hier lohnt es sich, einen Grundriss langsam zu lesen, statt nur einen Aussichtspunkt zu erreichen. Die Verbindungen zur Familie Bruce geben Kildrummy eine lebendige menschliche Geschichte. Darüber hinaus zeigt der Ort, wie ein großer Haushalt und eine bedeutende Festung denselben Raum nutzten. Prüfe vor der Fahrt die aktuellen Besuchsbedingungen auf der offiziellen Seite.