Die große Umgestaltung ist ungewöhnlich genau datiert. William Forbes, der siebte Laird, ließ den Hauptumbau zwischen 1584 und 1589 ausführen; die Inschrift am Eingang nennt Beginn und Abschluss. Sie liefert eine wesentlich verlässlichere Chronologie als eine bloß ungefähre stilistische Datierung. Die Inschrift nimmt den alten Turm ausdrücklich aus. Selbst dieser präzise Beleg darf deshalb nicht als Baudatum sämtlicher Teile der Anlage gelten.
Thomas Leiper wird mit dem neuen Entwurf in Verbindung gebracht. Die Gebäudeflügel gruppieren sich um einen Innenhof, statt den gesamten Haushalt in einem einzigen hohen Baukörper zu konzentrieren. HES beschreibt Galerien, die mit privaten Wohnräumen verbunden waren, sowie Wirtschaftsräume und einen formalen Garten. Das gibt Hinweise auf die soziale Organisation des Hauses. Die Eigentümer konnten Gäste empfangen, sich zurückziehen und zwischen verschiedenen Teilen des Wohnsitzes wechseln, ohne dass alle Tätigkeiten denselben Raum beanspruchten.
Die kleinen Steinfiguren am Tor werden häufig als William Forbes und seine Frau Elizabeth Gordon identifiziert. HES bezeichnet diese Zuordnung als wahrscheinlich, nicht als sicher. Betrachte sie als mögliche Porträts, statt jedes verwitterte Gesicht für zweifelsfrei benannt zu halten. Wappen und Ornamente machen den Eingang auch dort zu einer Aussage über Identität, wo die Bedeutung einer einzelnen Steinmetzarbeit offenbleibt.
Vergleiche den alten Turm mit den umliegenden Flügeln. Unterschiedliche Dimensionen der Mauern und Öffnungen helfen dabei, übernommene Wehrarchitektur von späteren Wohnansprüchen zu unterscheiden. Dieser Gegensatz bedeutet nicht, dass das neuere Haus auf Sicherheit völlig verzichtete. Vielmehr deutet er auf eine Verbindung praktischen Schutzes mit kultivierter Repräsentation hin. Nimm dir Zeit im Hof und überlege anhand der Lage von Eingängen und Treppen, wie ein großer Haushalt hier gelebt haben könnte.
Der Verlust des Besitzes durch die Familie Forbes bedeutete nicht sofort das Ende jeder Nutzung als Wohnsitz. Das Anwesen wurde 1716 verkauft; 1718 wurde der widerstrebende Laird zum Verlassen gezwungen. Laut HES-Denkmaleintrag blieb die Anlage bis ins 19. Jahrhundert bewohnt und verfiel erst danach. Es wäre daher irreführend, das gesamte Schloss bereits im Moment des Besitzverlusts der Forbes als verlassene Ruine darzustellen. Eigentümerwechsel und tatsächliche Aufgabe sind unterschiedliche Ereignisse.
Der Eingang verdient ein Foto von beiden Seiten, sofern der Zugang dies erlaubt. Der Vergleich zwischen äußerer Repräsentation und dem dahinterliegenden Hof zeigt, wie Ankunft und häuslicher Raum zu einer sorgfältig geordneten Gesamtkomposition gehören.
Tolquhon ist als Scheduled Monument SM90302 geschützt. Der Schutz umfasst mehr als das besonders fotogene Tor: Auch unterirdische Überreste und die Beziehung zu den umgebenden Räumen sind wichtig. Besuchern bietet sich ein deutlich lesbarer architektonischer Dialog zwischen einem älteren Turm und einem anspruchsvollen späteren Wohnhaus. Beginne draußen mit dem Zugang, betrachte dann den Hof als Ganzes und erst danach seine Details. Das nahe Tarves Tomb stellt eine weitere Verbindung zur Familie Forbes und zu Leipers Werk her. Doch bereits das Schloss macht ihr Interesse an Erinnerung und gesellschaftlichem Rang greifbar. Prüfe vor der Anreise die aktuellen Zugangsmöglichkeiten.